Morgel und die Riesenameise (Episode 6 der Morgelgeschichten)

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Bildinhalt: Morgelgeschichte 6 - Morgel und die Riesenameise - Das Titelbild zeigt drei Wächterinnen mit Helm und Speer bewaffnet auf einem Außenposten bei der morgendlichen Wache. Neben dem Erdhügel steht ein Holzschild mit der Aufschrift: ›Hier gebieten die Königinnen der Kamete. Betreten verboten!‹. Erste Sonnenstrahlen bahnen sich den Weg durch die Bäume. Nebelschwaden ziehen umher.

Autor: Jens K. Carl.
Illustrationen: Jens K. Carl (KI-generiert unter Zuhilfenahme von Microsoft Copilot Pro).
Altersempfehlung: ab 6 Jahren
.

Mein Dank gilt:
Ingeborg Löffler aus Bad Langensalza,
einer guten Freundin.

Was erwartet Dich:

Im Morgelwald, wo die Tannen flüstern und der Komstkochsteich in der Morgensonne glitzert, lebt ein emsiges Volk unter einem mächtigen Erdhügel: das Quelltalameisenvolk, regiert von drei stolzen Königinnen – Kamete die Erste, Kamete die Zweite und Kamete die Vierzehnte. Seit Jahrhunderten wimmelt es dort von Leben, Ordnung und Gemeinschaft. Die Ameisen sind Teil der magischen Welt rund um Morgel, den Waldkobold, der über den Wald wacht und seine Bewohner beschützt.

Doch eines Tages wird die Ruhe gestört. Ein unheimliches Brummen durchdringt den Wald, und mit einem gewaltigen Schlag wird der prächtige Ameisenbau bis auf die Grundmauern zerstört. Die Ursache? Eine Riesenameise, wie sie noch nie jemand gesehen hat – metallisch, laut, unbarmherzig. Die Tiere sind erschüttert, die Königinnen verstummt, und das Gleichgewicht des Waldes gerät ins Wanken.

Morgel spürt die Erschütterung tief in seiner Wurzelhöhle. Gemeinsam mit seinen Freunden – dem Waldkauz Schröder, dem klugen Specht Gunther, den Eichhörnchenbrüdern Tammy und Yammy und der geheimnisvollen Waldfee – beginnt er eine Rettungsaktion, die Mut, Magie und Mitgefühl verlangt. Denn das Quelltalameisenvolk braucht nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch Hoffnung.

Die Geschichte entfaltet sich wie ein Naturmärchen mit modernem Herz: Die Tiere müssen lernen, mit Veränderung umzugehen, sich neu zu organisieren und ihre Stärke in der Gemeinschaft zu finden. Dabei begegnen sie nicht nur der Zerstörung, sondern auch der Möglichkeit, etwas Neues zu schaffen – mithilfe der Magie des Waldes und der Weisheit der ältesten Bewohner.

„Morgel und die Riesenameise“ ist ein poetisches Abenteuer über den Wert von Zusammenhalt, über die Kraft der kleinen Wesen und über die Frage, was passiert, wenn Technik auf Natur trifft. Es erzählt von Verlust und Neubeginn, von der Würde eines Ameisenvolkes und der Verantwortung, die wir für unsere Umwelt tragen.

Die märchenhaften, farbigen Illustrationen und die liebevoll gestalteten Szenen lassen die Geschichte auch visuell erblühen. Jens K. Carl verwebt in dieser Erzählung Naturkunde, Fantasie und leise Gesellschaftskritik zu einem Märchen, das Kinder wie Erwachsene berührt – und das den Wald als lebendigen Organismus zeigt, in dem jedes Wesen zählt.

Leseprobe:

Morgel und die Riesenameise

Stille herrscht weit und breit im Morgelwald. Früh am Morgen, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Waldboden mit wohliger Wärme überziehen, erwacht rundherum um einen uralten Erdhügel allmählich das Leben.

Zahlreiche winzige Hinweisschilder mit der Aufschrift: ›Hier gebieten die Königinnen der Kamete. Betreten verboten!‹, weisen die Bewohner des Morgelwaldes darauf hin, dass in diesem majestätisch anmutenden Bauwerk ein emsiges Insektenvolk sein Zuhause hat und unter keinen Umständen bei der Arbeit gestört werden will. Gut drei Meter misst der Insektenhaufen im Durchmesser und er dürfte gut einhundertfünfzig Zentimeter hoch sein.

Eine quirlige Gemeinschaft

Es ist ein stolzes und großes Volk. Es nennt sich das Quelltalameisenvolk. Genau genommen sind es drei Völker, die gleich von drei Königinnen in friedlicher Nachbarschaft regiert werden. Oberkönigin Kamete die Erste führt den nordnordöstlichen Teil des Ameisenstaates an. Ihre Tochter Kamete die Zweite ist die Mittelkönigin des südsüdwestlichen Abschnittes und Kamete die Vierzehnte ist die Tochter der Tochter und führt den Dritten, den westnordwestlichen Staat, an.
Damals, vor vielen hundert Jahren, als sich die junge Königin Kamete die Erste hier im tiefen, dunklen Wald mit ihrem Waldameisenvolk in der Nähe des Komstkochsteiches niederließ, herrschten Ruhe und Harmonie.
Zudem stand ihr Volk von Anfang an unter dem Schutz des Fürsten des Waldes, dem Waldkobold Munk Orgu-Telas, den man auch Morgel nennt. Er beschert den Insekten bis heute ein ewiges Leben. So konnte die Königin unzählige Nachkommen hervorbringen und ließ die Gemeinschaft auf fast eine Million Ameisen anwachsen.

Im Herzen des Quelltalameisenvolks herrscht eine heilige Ordnung. An der Seite der Königinnen weben die Aomsi, die sorgenden Ammen, täglich ein Netz aus Fürsorge um jedes frisch geschlüpfte Leben. Vor den Toren der Kolonie patrouillieren die unerschrockenen Soldatinnen namens Somsel, während die Smaura am Rand der Lichtung lauschen und mit geschärften Fühlern ferne Gefahren erspähen. Vor und in den Gängen wachen die Wamyra, deren Augen kein Eindringling unbemerkt lassen, und in tieferem Gestein formen die geschickten Bauarbeiterinnen namens Bmeiso neue Hallen, die das Reich erweitern. Schließlich tragen die Tmüra, gebückt unter winzigen Lasten, den Schatz des Volkes von Kammer zu Kammer.
Damit jede Ameise ihre Rolle versteht, teilt sich jede Kaste noch einmal in Oberameisen, Mittelameisen, Unterameisen und flinke Hilfsameisen. Auf diese Weise fließt die Arbeit wie ein endloser Strom aus Pflicht und Hingabe, und das Quelltal summt im Einklang von Millionen winziger Schritte.

Bildinhalt: Morgelgeschichte 7 - Morgel und die Riesenameise - Das Bild zeigt oben links eine Wächterin mit grünem Helm und Speer, in der Mitte eine Bauarbeiterin mit gelbem Helm und Spaten, und rechts eine Amme mit Häubchen und einem Ei. Unten links sieht man eine Trägerin mit einem Grasbüschel auf dem Rücken, in der Mitte eine Königin und rechts eine Späherin mit Fernglas und Funksprechgerät in einer Umhängetasche.

Der Ameisenbau erwuchs abseits der Wege. Zu jener Zeit gab es nur wenige Trampelpfade durch den Wald, auf denen Fremdlinge wie etwa Mönche aus dem nahegelegenen Kloster, Waldarbeiter, Handwerker oder Wanderer aus den angrenzenden Siedlungen entlangliefen. Es gab kaum Schneisen im Unterholz, auf denen die Reiter der Landgrafen zwischen der Wallburg und der Schowingburg durch den Wald trabten. Und es gab schon gar keine breiten Wege, auf denen ein von Ochsen oder Pferden gezogenes Fuhrwerk hätte entlangfahren können. Man vermochte also von jeher ungestört und friedlich dem täglichen Treiben und Streben nachzugehen.

Heutzutage jedoch ist es vorbei mit der Ruhe, denn nun führen ein befestigter Fahrweg und ein Wanderpfad dicht am Ameisenbau vorüber. Dauerlärm ist tagsüber angesagt, und hin und wieder lässt eines der vorbeifahrenden Eisengefährte das enorme Bauwerk der Quelltalameisen in seinen Grundfesten erschüttern.
Schon seit Längerem drängt der Ältestenrat der Gemeinschaft am Komstkochsteich, zu dem die Kreuzspinne Esmeralda, der Lehrer Dachs, der Waldkauz Schröder und der Waldkobold Morgel gehören, die Königinnen dazu, ihre Völker in die Umgebung der Wurzelhöhle umzusiedeln. Nicht zuletzt auch deshalb, um innerhalb des Zauberbannes, den die Zaubertannen Albasol und Albamon gewähren, vor fremden Blicken und allerlei Gefahren geschützt zu sein. Jedoch lehnten sie dies mit den Worten ›Einen alten Baum verpflanzt man nicht!‹ immer wieder ab.

Und so kommt es, wie es kommen muss. Ein Unglück naht. …

Ende der Leseprobe!

Weitere Kapitel:

  • Ein schauriges Unglück
  • Ein geordnetes Chaos
  • Ein störrisches Eisending
  • Ein kolossales Rettungskommando

Überarbeitung des Textes und Neugestaltung der Illustrationen am 08.08.2025.

Rund um die Morgelgeschichten:

Morgelgeschichten - Das GlossariumDie Morgelgeschichten - Die Abenteuer des Waldkoboldes Morgel und seiner Freunde von Jens K. CarlDie Morgelgeschichten - Die Zaubersprüche

Die Morgelgeschichten - Der Autor

Kaufmöglichkeit:

Morgelgeschichten - TaschenbücherDie Morgelgeschichten - Die Abenteuer des Waldkoboldes Morgel und seiner Freunde von Jens K. CarlDie Morgelgeschichten - Malbücher

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4 Kommentare:

  1. Ich bin von den Morgelgeschichten sehr beeindruckt. Die Geschichten sind unterhaltsam, bieten viel Abwechslung, sind perfekt ausgearbeitet und es gibt viele Details und Überraschungen. Die Charaktere sind überaus interessant und es gibt viele Wendungen, die die Handlung sehr spannend machen. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und musste immer weiterlesen. Alles in allem finde ich es sehr lehrreich und es gibt viele Lehren, die man daraus ziehen kann. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, die oder der Märchen lesen möchte.

  2. Guten Morgen, eine schöne Abwechslung, die neue Woche mal mit einem Märchen zu beginnen. Kam bei mir noch nicht vor. Also, das Leben kann überraschend und spannend sein !!

    Freundliche Grüße

  3. Eine tolle Idee, die dafür sorgt, sich für einen Moment in eine andere Welt zu begeben, um das evtl. stressige Umfeld und die eigene Hasterei zu vergessen.
    Vielen Dank!

  4. Ingeborg Löffler

    Märchenhafte Heimatkunde.
    »Riesenameise, Wieselameise, Waldameise, da krieg ich doch gleich eine Meise«, spricht Dinco, der kleine Zirkusbär.

    Mein Dank gebührt meinem lieben Freund, dem Autor Herrn Jens K. Carl, der mir die siebte Morgelgeschichte „Morgel und die Riesenameise“ gewidmet hat. Ich hatte das große Glück, diese Geschichte um einen riesigen Ameisenbau und eine eiserne Riesenameise vorab lesen zu dürfen. Sie hat mir auf Anhieb gefallen.
    Ich bekam nicht nur einen Einblick in das Leben eines Ameisenvolkes und seiner Königinnen, sondern ich erfuhr auch einiges über ein ganz reales Eisengefährt. Obendrein war ich Zeuge, wie die märchenhafte Gemeinschaft am Komstkochsteich, unter Leitung des Ältestenrates, eine kolossale Rettungsaktion organisiert.
    Dieses Märchen ist kindgerecht geschrieben, aber wegen des Vorhandenseins eines gewissen Zahlenverständnisses, erst für Kinder ab einem Alter von sechs Jahren zum Selbstlesen geeignet. Bemerkenswert ist die bildhafte Sprache. Ich hatte zu jeder Zeit die Geschehnisse vor Augen. Drei wunderschöne Schwarz-Weiß-Schnitte unterstützen die kindliche Fantasie.

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