Morgel und die Abenteuer mit der Huschi-Husch (Teil 8 der Morgelgeschichten)

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Morgelgeschichte 8 - Morgel und die Abenteuer mit der Huschi-Husch

Im Gedenken an: Bruno H. Carl, meinem lieben Vater.

Autor: Jens K. Carl,
Illustrator: Jens K. Carl
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Morgel und die Abenteuer mit der Huschi-Husch

Brausend und tosend zieht an diesem Herbsttag ein heftiger Sturm über den Morgelwald hinweg. Tiefschwarze Wolken verdunkeln das thüringische Land.
Wie an einem Bindfaden aufgereiht, prasseln Regentropfen auf den Waldboden hernieder. Hier und da wechselt sich der Regen mit faustgroßen Hagelkörnern ab und es scheint so, als würde das Wasser des Komstkochsteiches köcheln.
Laub, Zweige und Äste, sogar ganze Büsche fliegen umher. Die Bäume knarren und krächzen. Ihre Kronen wiegen sich vereint im Rhythmus der Windböen hin und her.
Grelle Blitze erhellen zischend den Nachthimmel und dumpfes Donnergrollen lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

Ob Tier, ob Mensch. Wer kann, hat sich längst in seine Behausung zurückgezogen, um am wohlig warmen Kachelofen und bei einer Tasse duftenden Kräutertee das Ende dieses abscheulichen Unwetters abzuwarten.

Eine waghalsige Fahrt

Aus der Ferne ist zu hören, wie sich eine Huschi-Husch quietschend und jaulend ihren vorbestimmten Weg durch das Tal bahnt. Mit Mühe kämpft das schwere Gefährt gegen die gewaltigen Böen, die ihr entgegen blasen, an. Immer dann, wenn die Metallräder auf den glitschigen, vom Laub bedeckten Schienen durchzudrehen drohen, heulen die Triebwerksmotoren gauksend auf. Es zischt und blitzt, wenn der Stromabnehmer kurzzeitig den Kontakt zur Oberleitung verliert. Die Lichter im Fahrgastraum erlöschen dann hin und wieder, als wollten der Waggon einen Hilferuf aussenden.

Plötzlich ein Knall. Laut wie ein Peitschenschlag. Ein dumpfes Grollen. Metall kreischt und berstet. Dann ist Stille. Mucksmäuschenstille.

Trotz des Unwetters hart Schröder, der Waldkauz, so wie jede Nacht, im dichten Geäst Albasols aus und hält Wache über den Morgelwald.
»Hoppla, was war das denn?«, schreckt er laut fragend auf. Das kann mitnichten ein Wetterleuchten oder gar ein Donnerknall gewesen sein, schießt es dem Kauz durch den Kopf. Da muss etwas Schlimmes passiert sein.
Geschwind lässt sich Schröder zur Wurzelhöhle hinabgleiten. Hastig und durchnässt kracht der Vogel blindlings gegen die Tür zur Höhle.

»Wacht auf! Wacht auf! Etwas Schlimmes ist passiert. Lasst mich rein!«, schreit er unentwegt. »Macht auf! Lasst mich rein!«
»Was ist das für ein Geschrei?«, fragt Kreuzspinne Esmeralda, die sich gerade an einem seidenen Faden von der Decke abseilt, um ihr geflicktes Spinnennetz in Augenschein nehmen zu können. »Es ist mitten in der Nacht. Du weckst noch all die anderen auf.«
»Habt ihr denn nicht den Knall gehört? Da unten im Tal hat es einen lauten Bums gegeben«, antwortet Schröder.
»Einen Bums? Du hast wohl schlecht geträumt. Das war sicher nur ein Donnergrollen«, winkt Esmeralda ab.

Von dem Gepolter und dem Geschrei sind der kleine Bär Dinco, die Ricke Gertrud und der Welpe Paschinka aus dem Schlaf erwacht. Während der kleine Hund sich ängstlich unterm Bett verkriecht, öffnet Dinco die Tür und lässt Schröder eintreten. »Guten Abend, Herr Waldkauz. Was hat denn gebumst? Hopphopp!«, fragt der kleine Bär.
»Guten Abend, liebe Leute. Ich hoffe, ich habe euch nicht erschreckt. Der Bums hat sich so angehört, als wäre etwas mit der Huschi-Husch passiert«, antwortet Schröder und fügt mit seinen Flügeln gestikulierend hinzu: »Ich sah einen grellen Lichtblitz am Himmel und ich hörte es zischen und kreischen und einen merkwürdigen Bums. Vielleicht braucht man dort unsere Hilfe?«
»Bei diesem Schmuddelwetter?«, murmelt Morgel, der Waldkobold, vor sich hin, als auch er erwacht und aus seiner Kammer heran geschlurft kommt. Er tritt vor die Tür der Wurzelhöhle und rekelt genüsslich alle viere von sich. »Da werden wir ja klatschnass. Bereiten wir diesem Spukwetter doch erst einmal ein Ende.« Er zieht sogleich seinen Zauberstab aus dem Morgenmantel hervor und schickt damit einen Lichtblitz gen Himmel und beschwört: »Donnerschlag und Posaunengeschmetter, aus ists mit dem Schmuddelwetter.«

Unversehens hört es auf zu schütten, so, als hätte man die Regenbindfäden mit einer Schere abgetrennt. Nur ein leichter Nieselregen fällt noch vom Himmel. Auch der heftige Wind legt sich sogleich. Die Wolkendecke reißt auf und macht den Weg für das Licht des Mondes und der Sterne frei.

»So ist es besser, mein lieber Schröder. Ich schlage vor, du fliegst nun die Strecke im Tal ab, damit wir wissen, ob wirklich etwas geschehen ist und wie und wo wir helfen können.«

Kaum hatte der Kobold ausgesprochen, fliegt der Waldkauz los. Ein paar kurze Schläge mit seinen breiten Schwingen und schon ist er hinter den Wipfeln der Bäume verschwunden. Im Gleitflug sucht er die nahe gelegenen Bahnstrecken und die Landstraße im Tal ab. Trotz Dunkelheit vermag seinem scharfen Blick nichts zu entgehen.

Ganz in der Nähe der Steilwand sieht Schröder ein Stromkabel blitzend und funkenschlagend auf dem nassen Schotter umherhüpfen. Vorsichtig nähert er sich dem Eisengefährt. Ihm fällt auf, dass ein umgestürzter Baum quer über den Schienen liegt. Seine Äste haben eine ältliche Huschi-Husch zum Entgleisen gebracht und nun hängt sie halb schräg im Gleisbett. Einige Scheiben der Bahn sind geborsten. Gespenstige Ruhe herrscht darin.

»Es ist wahr! Es ist wahr! Es gab in der Tat ein Unglück mit der Huschi-Husch«, ruft er dem Kobold zu, als Schröder zur Wurzelhöhle zurückkehrt. »Ich habe durch ein zerbrochenes Fenster geschaut. Niemand hat mich entdeckt. Die Leute schlafen. Jedenfalls lagen die alle da so rum. Was können wir nur tun?«
»Alle Menschen haben geschlafen? Oh je, das klingt nicht gut. Wo liegt die Huschi-Husch denn genau?«, möchte der Morgel wissen.
»Oberhalb vom Hammerteich, neben der Landstraße«, antwortet Schröder, »gleich bei der Steilwand.«
»Also, nichts wie hin. Dann werden wir zwei uns das mal anschauen«, spricht der Kobold, tippt sich mit dem Zauberstab auf die Brust und schon hat er sein samtenes Koboldkostüm mit Mantel und spitzem Hut übergestreift. Dann setzt er zum Koboldieren an.
»Wir wollen auch mit!«, rufen die Mäuse Mio und Pio dazwischen.
»Du wirst vielleicht Hilfe brauchen«, gibt ihnen Ricke Gertrud recht, »nimm die beiden mit. Vielleicht brauchst Du ja zwei Winzlinge, die in jede Ecke kommen.«
»Oder etwas Großes und Starkes, wie mich. Hopphopp!«, fügt Dinco hinzu und klopft sich mit der Faust auf die Brust. »Brröö! Brröö!«
»Nun, ich bin ein Kobold«, erwidert Morgel, »ich komme überall hin, wenn ich es will. Aber, da Ihr unbedingt wollt, dann kommt eben alle mit. Stellt euch bitte im Kreis auf und schließt eure Augen.« Er zieht sein Zauberstab aus dem Umhang und sagt einen Zauberspruch auf: »Pusteblume und Rübezahl, lasst uns reisen zum Bahnunfall!«

Eine verblüffende Rettungsaktion

Wenige Augenblicke später stehen die sechs direkt vor ebendiesem Straßenbahnwagen. Morgel wirft sofort einen prüfenden Blick unter das Eisengefährt und seufzt: »Verflixt und zugenäht! Eyers-maners-duers, noch einmal! So ein Schlamassel, aber auch!«

War doch ein dicker, fetter Ast einer nahe gelegenen Birke während des Sturmes abgebrochen und auf das Gleis gefallen, muss er feststellen. Der Ast hat auch die Oberleitung durchtrennt und nun flattert das Kabel wild zischend und Funken versprühend auf dem klatschnassen Schotter hin und her. Es knallt so laut, als würde eine Peitsche geschwungen werden.

»Das also ist eine Huschi-Husch!«, ist Gertrud erstaunt.

Ende der Leseprobe. Fortsetzung im eBook

Weitere Kapitel:

  • Ein munterer Ausflug

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