Warum der Komstkochsteich Komstkochsteich heißt (Die Sage vom Komstkochteich)

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Sagen und Legenden - Warum der Komstkochsteich Komstkochsteich heißt

Sagen und Legenden - Warum der Komstkochsteich Komstkochsteich heißt

Frei interpretiert nach: „Die Sage vom Komstkochteich“,
Autor: Jens K. Carl,
Illustrator: Jens K. Carl.

Einstmals in finsteren Zeiten verirrte sich ein edler Ritter hoch zu Ross im thüringischen Wald unweit der Hohen Wurzel.

Stockdunkel war es unter dem Dach der Baumkronen. Die Bäume standen dicht an dicht. Graue Nebelschwaden zogen übers hügelige Land. Die eigene Hand sah man nicht vor Augen. Wildes Getier streifte umher. Allerorts ertönte furchterregendes Gestöhn und Geschrei. Wölfe jaulten, Bären brummten. Man sagte, die Bäume würden sich sowohl bei Tage als auch des Nachts das Eine oder Andere zuraunen und hin und wieder ihren angestammten Platz tauschen. Näher zusammenrücken, wenn Gefahr drohte. Zauberer, Hexen und Landstreicher sollen damals hier und da ihr Unwesen getrieben haben.

Nur wenige schmale Trampelpfade führten durchs dichte Unterholz und so kam es, dass der Reiter vom Weg abkam. Die ungestüme Hatz nach scheuem Rotwild verbrachte ihn weitab seines Gefolges, den Weidmännern. Sein Name war Ludwig der Eiserne. Seit kurzem Landgraf von Thüringen. Er war noch sehr jung, übermütig und unerfahren. Müde, hungrig und durchnässt irrte er allein umher, ohne Maßgabe und nichtwissend, ob dies der rechte Weg zur Schowingburg sei. Zu vorgerückter Stunde entdeckte Ludwig völlig erschöpft ein glimmendes Feuer am gegenüberliegenden Ufer eines kleinen Teiches.

Rund um ein Lagerfeuer saßen drei ältliche Holzbauern. Der eine hieß Emanuel, der andere Hans und der dritte Ruprecht. Deren Leiber waren von der harten Arbeit gezeichnet, die sie Tag ein Tag aus verrichten mussten. Tiefe Furchen zogen sich durch ihre Gesichter. Ihre Pranken waren übergroß und von Schwielen übersät. Das Haar war grau und die Rücken krumm. Zwischen den Bäumen hingen ihre Lumpen, die sie dürftig gewaschen und zum Trocknen aufgehängt hatten. Ihr Lohn war karg und reichte kaum zum Leben, geschweige denn, um sesshaft zu werden. So zogen sie unentwegt übers Land und boten hier und da ihr Können feil. Ihr klägliches Hab und Gut bestand aus Hector, einem ältlichen Kaltblut, das zum Rücken der Baumstämme herhalten musste, zwei Äxten und einer Trummsäge.

Die Männer richteten gerade ihr Mahl her. Ein dürres Süppchen aus Weißkraut, Kartoffeln und etwas Wurzelzeug ließen sie geraume Zeit in einem Töpfchen vor sich hin köcheln. Es war Kumst, die Leibspeise der Friedrichesroter Leute, welche im nahegelegenen Örtchen unterhalb der Schowingburg lebten.

Als die Holzbauern den edlen Herren entdeckten, boten sie ihm, freundlich wie sie nun einmal waren, einen Platz am wärmenden Lagerfeuer an. Hier könne er wieder zu Kräften kommen und sich aufzuwärmen, sprachen sie. Er erzählte ihnen von seinem Missgeschick und fragte nach dem Weg zum Kloster der Benediktiner zu Reinhardsbrunn. Ohne zu zögern, boten die drei dem jungen Landgrafen an, ihn zu begleiten und den rechten Weg zu weisen. Ludwig nahm freudig an.

Dann aßen sie zusammen aus einem Töpfchen von dem köstlichen Kumst. Dem Herren schmeckte das Mahl wohl so vorzüglich, dass er den Dreien aus Dank das umliegende Flurstück, samt Wälder, Wiesen und Teich, vermachte. Sie mögen doch am nächsten Tage auf die Schowingburg kommen, dann würden sie von ihm darüber eine Urkunde erhalten, sagte der junge Landgraf.

Das Wohlwollen des Grafen sprach sich schnell herum im Land. Von dieser Zeit an nannte man den kleinen Teich Komstkochsteich und die angrenzende Wiese Komstkochswiese. Die Holzbauern nahmen das Geschenk gerne an und waren von da an, reiche Leute und wurden an Ort und Stelle heimisch. Glücklich und zufrieden lebten sie dort bis ans Ende ihrer Tage.

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